Stilistische Freiheit mit der Nordwestdeutschen Philharmonie
Es ist das schiere Vergnügen: Vier Musikerinnen aus Weißrussland, Australien, Japan und Deutschland, die in Paris, Amsterdam, Berlin, Lyon und Wien studiert haben und in Berlin ihre Heimat gefunden haben. Das Sonic.art Saxophonquartett ist einzigartig. Genau wie ihre Bühnenpräsenz, ihr Charme, ihre Feinsinnigkeit. Das Ensemble steht im Zentrum der April-Aboserie der NWD. Doch nicht genug: Die Maskerade-Suite Aram Khachaturians eröffnet als musikalischer Wirbelsturm den Abend. Das Finale unter der Leitung von Adrien Perruchon, der bei der LA Philharmonic unter Gustavo Dudamel sein Können verfeinerte: die Klangvision Antonín Dvořáks mit seiner Sinfonie Nr. 4 – kraftvoll leidenschaftlich und von epischer Breite.
Als der Belgier Adolphe Sax im 19. Jahrhundert sein nach ihm benanntes Instrument erfand, sah er es als kraftvolles Mitglied des Orchesters. Die Musikgeschichte jedoch nahm einen ganz anderen Verlauf: Das Saxophon fand seine eigentliche Heimat im Jazz – geprägt von Legenden wie Charlie Parker und John Coltrane. Das sonic.art Saxophone Quartet schlägt bewusst einen anderen Weg ein. Der künstlerische Anspruch: sich von gewohnten Pfaden lösen. Seit seiner Gründung im Jahr 2005 widmet sich das Ensemble der Frage, welche neuen klanglichen Möglichkeiten sie mit dem Saxophon eröffnen können.
Ein eindrucksvolles Beispiel dafür ist das Concerto grosso für Saxophonquartett und Orchester von William Bolcom. Der in Seattle geborene Komponist und Pianist begann seine Laufbahn früh: Bereits im Alter von elf Jahren wurde er an der University of Washington aufgenommen. Er studierte unter anderem bei Darius Milhaud am Mills College sowie am Pariser Konservatorium und promovierte 1964 an der Stanford University. Bolcoms Concerto Grosso entstand im Jahr 2000, zunächst in einer Fassung mit Blasorchester und später in der Orchesterfassung. Formal knüpft das Werk an die barocke Tradition des Concerto grosso an: Eine kleine Gruppe von Solistinnen und Solisten tritt in einen lebendigen Dialog mit dem großen Orchester. Doch Bolcom erweitert dieses historische Modell um eine vielschichtige, zeitgenössische Klangsprache. Einflüsse aus Rhythm and Blues, Bebop und eine augenzwinkernde Reminiszenz an Bach bündeln sich energiegeladen … und lassen Raum für die vier individuellen klanglichen Profile des sonic.art Saxophone Quartet.
Aram Khachaturian zählt zu den schillerndsten Komponisten des 20. Jahrhunderts – ein Klangmagier, der armenische Volksmusik mit westlicher Orchestertradition zu einer unverwechselbaren Tonsprache verbinden konnte.Entstanden als Schauspielmusik zu einem Drama von Mikhail Lermontov, entfaltet die Maskerade-Suite eine Welt zwischen Glanz und Abgrund. Der berühmte Walzer schwebt düster und elegant zugleich, während Nocturne und Galopp die Spannweite zwischen Nostalgie und dramatischer Zuspitzung ausloten.
Auch die überwältigende Sinfonie Nr. 4 von Antonín Dvořák wird am Abend vom französischen Dirigenten Adrien Perruchon dirigiert. Geboren 1983, begann Perruchon seine musikalische Ausbildung am Klavier, widmete sich dem Fagott und dem Schlagwerk, bevor er sich ganz dem Dirigieren zuwandte. Spätestens seit seinem Spontan-Einsprung bei einer TV-Live-Übertragung mit dem Orchestre Philharmonique de Radio France im Jahr 2014 war klar: Der Grundstein für eine internationale Karriere ist gelegt. Der Chefdirigent des Bucheon Philharmonic Orchestra hat seit seiner Zeit als Dudamel Fellow bei der Los Angeles Philharmonic Klangkörper in Paris, Salzburg, Wien, Tokyo oder Lyon geleitet. Sein Wirken lässt musikalische Bühnenbilder entstehen: voller Bewegung, Kontraste, intensiver Stimmungen.
Programm
Aram Khachaturian Maskerade-Suite
William Bolcom Concerto grosso für Saxophonquartett und Orchester
Antonín Dvořák Sinfonie Nr. 4 d-Moll op. 13
Nordwestdeutsche Philharmonie
Sonic.art Saxophonquartett
Adrien Perruchon, Leitung
Termine:
- Mittwoch, 15.04.26, 19.30 Uhr, Paderborn, Paderhalle
- Donnerstag, 16.04.26, 20.00 Uhr, Minden, Stadttheate
- Freitag, 17.04.26, 20.00 Uhr, Herford, Stadtpark Schützenhof
- Samstag, 18.04.26, 19.30 Uhr, Bad Salzuflen, Konzerthalle
- Dienstag, 21.04.26, 19.30 Uhr, Detmold, Konzerthaus (HfM)
- Mittwoch, 22.04.26, 20.00 Uhr, Gütersloh, Stadthalle
Tickets sind an den jeweils auf der Konzertseite angegebenen Vorverkaufsstellen, für die Konzerte in Herford und Bad Salzuflen über die Geschäftsstelle der Nordwestdeutschen Philharmonie in Herford und für das Konzert in Herford zusätzlich als Online-Ticket via Vibus erhältlich.