Französische Linien im Frühlingslicht mit Marta philharmonisch
Musikalische Impressionen mit Elena Ilinskaya (Violine) und Ruschana Muborakschoeva (Klavier). Bei der Matinee mit Musik und Kunst im Marta erwartet Sie am So., 19.04.2026 um 11:30 Uhr zunächst ein schillerndes Konzert, in dessen Zentrum neben Werken von Erwin Schulhoff, Zarrina Mirshakar und Peter Tschaikowsky die Violinsonate Nr. 1 von Gabriel Fauré erstrahlt. Im Anschluss folgt der Besuch der aktuellen Ausstellungen mit Marta-Kunstsprecher*innen.
Der Ruhm kam spät zu Gabriel Fauré – doch als er kam, war er umso strahlender. Als vielleicht fortschrittlichster Komponist seiner Generation blieb ihm die Zeit zum Komponieren oft nur in den Sommermonaten, während er den Großteil seines Lebens als Chorleiter und Lehrer verbrachte. Und doch: Ausgerechnet dieser Meister der französischen Chanson verkaufte seine Lieder einst für bescheidene 50 Francs pro Stück – ein kaum vorstellbarer Preis für Musik von solcher Raffinesse. Im Jahr 1872 öffnete Camille Saint-Saëns, Faurés ehemaliger Klavierlehrer, ihm die Türen zu einem der schillerndsten musikalischen Zirkel seiner Zeit: dem Salon der legendären Sängerin Pauline Viardot. Dort fand Fauré nicht nur Inspiration, sondern auch Leidenschaft – er verliebte sich in ihre Tochter Marianne (eine Verlobung, die jedoch nur drei Monate währte) und widmete ihrer Familie mehrere seiner Werke, darunter seine Violinsonate Nr. 1 für den Sohn Paul.
Fauré schrieb nach der Uraufführung 1877 voller Begeisterung: Der Erfolg habe all seine Erwartungen übertroffen, und Tayau habe mit makelloser Perfektion gespielt. Auch Saint-Saëns zeigte sich tief beeindruckt: Diese Sonate, so schrieb er, biete alles, was das Herz eines Kenners höherschlagen lässt – neue Formen, raffinierte Modulationen, ungewohnte Klangfarben und überraschende Rhythmen. Über allem schwebe ein Zauber, der selbst kühnste musikalische Einfälle selbstverständlich erscheinen lasse. Mit diesem Werk, so sein Urteil, trete Fauré endgültig in die Reihe der großen Meister ein. Und tatsächlich: Dieser Zauber ist unmittelbar spürbar – etwa in den fließenden Übergängen des ersten Satzes, wo sich leidenschaftliche Energie und sangliche Eleganz vereinen. Die Sonate beginnt mit einem kraftvoll aufwallenden Klavierpart, der sich zu einer frischen, lyrischen Klanglandschaft entfaltet, getragen von feinsinnigem kontrapunktischem Dialog und technischer Brillanz.
Elena Ilinskaya wurde in Russland geboren und erhielt ihren ersten Geigenunterricht von ihrer Mutter sowie an der berühmten zentralen Musikschule des Moskauer Tschaikowski-Konservatoriums bei Prof. Michael Gottesdiener. An der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover setzte sie ihr Studium bei Prof. Elisabeth Kufferath fort und absolvierte schließlich ein Post-Graduate-Studium bei Prof. Silvia Marcovici in Graz. Ilinskaya ist Preisträgerin des Wettbewerbs des Rotary Club in Moskau, Finalistin des Brahms-Wettbewerb Pörtschach und erhielt Stipendien des Vladimir Spivakow Fond, von „Live Musik Now“, sowie von der Stiftung Sinfonima. 2010 debütierte sie mit dem Philharmonischen Orchester Kiew und dem Violinkonzert in D-Dur von P.I. Tschaikowski. Im Theater Dortmund entstand ein Künstlerportrait von Elena Ilinskaya als Teil der LAMY Kampagne. Sie wurde als Jurorin für den Kompositionswettbewerb und das Festival „Aktuelle Jüdische Musik in Deutschland“ eingeladen. Seit 2022 ist Elena Ilinskaya Orchestermitglied der Nordwestdeutschen Philharmonie.
Die Pianistin Ruschana Muborakschoeva stammt aus Dushanbe im zentralasiatischen Tajikistan. Als Tochter einer Künstlerfamile begann sie mit sechs Jahren Klavier zu spielen, wurde an einer Hochbegabten-Musikschule ausgebildet und trat bereits mit zehn mit dem staatlichen Sinfonieorchester auf. 1993 graduierte Ruschana Muborakschoeva am Moskauer Tschajkovski-Konservatorium, 1996 schloss sie als Stipendiatin der Aga-Khan Foundation ihr Meisterklassen-Studium an der Musikhochschule München mit Auszeichnung ab. Sie wurde auf internationalen Klavierwettbewerben ausgezeichnet – zuletzt mit dem ersten Preis und Sonderpreis für die beste Interpretation französischer Musik beim „concours international de l’eurorégion“ in Gaillard. Seit 2001 konzertiert sie mit vielfältigen Programmen als Solistin und Kammermusikerin in Deutschland, Italien, Dänemark, U.S.A., Singapur; hervorzuheben ist besonders ihr Engagement für zeitgenössische Musik (Festival-Auftritte in Rom, Musikhost Odense, musica viva und Klangaktionen München mit Werken von Henze, Stockhausen, Hirsch, Schneller und Uraufführungen von Dieter Schnebel und Younghi Paagh-Paan). Seit 2002 ist Ruschana Muborakschoeva Lehrbeauftragte an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover.
TERMIN & PROGRAMM
SO, 19.04.2026, 11:30 Uhr
Herford, Marta-Forum
Marta Philharmonisch
Werke von Gabriel Fauré, Erwin Schulhoff, Zarrina Mirshakar und Peter Tschaikowsky
Elena Ilinskaya, Violine
Ruschana Muborakschoeva, Klavier
- Tickets sind im Vorverkauf über die Touristinformation Herford (05221-1891526), die Buchhandlung E. Otto (05221-53179), das Theaterbüro in der Stadtbibliothek (05221-500007), die Geschäftsstelle der Nordwestdeutschen Philharmonie (05221-98380) oder direkt an der Abendkasse erhältlich.