Frühlingserwachen im kammermusikalischen Kosmos
Werke für ein Ensemble von Blasinstrumenten, sogenannte „Harmoniemusiken“, stehen seit jeher für das Erblühen des Frühlings. Die Nordwestdeutsche Philharmonie lässt mit ihrem Kammerkonzert am Mittwoch, 25.03.2026, um 20.00 Uhr im Studio der Philharmonie den Winter hinter sich. Nach den kalten Monaten ist der Frühling die Zeit, in der sich die neu erwachte Natur endlich ausbreitet. Wenn vier Bläserinnen und Bläser der Nordwestdeutschen Philharmonie auf Pianist Michael Meyer treffen, dann stimmt die Klangregie für eine Feier des Neubeginns – für ein gemeinsames Aufatmen nach einem langen Winter.
Im März 1784 unternahm Wolfgang Amadeus Mozart einen stattlichen Frühlingsputz: Er hatte bereits über 400 Stücke komponiert, bevor er beschloss, sich, wie er selbst schrieb, „endlich einmal zu ordnen“. Also begann er mit seinem Werkverzeichnis – und bereits in den ersten Eintragungen finden sich wahre Glanzstücke, unter anderem das Quintett Es-Dur für Klavier und Bläser. Über dieses Werk schrieb Mozart seinem Vater begeistert: „Ich halte es für das beste Stück, das ich je geschrieben habe …“ – ein bemerkenswertes Lob für einen Komponisten, der durchaus wusste, was seine Musik wert war. Doch eines sei gesagt: Das Experiment Mozarts mit der recht ungewöhnlichen Kammermusikformation zwischen Klavier und Blasinstrumenten ging voll auf. Ein kongenialer Wurf! Vier Blasinstrumente – Oboe, Klarinette, Horn und Fagott – treffen auf ein bis dato vor allem als Soloinstrument verstandenes Klavier.
Dem Reiz des besonderen Dialogs zwischen Blasinstrumenten und Klavier konnte sich auch kein geringerer als Ludwig van Beethoven entziehen, der zwölf Jahre später sein Quintett Es-Dur op. 16 vorlegte. Beethoven verlangt die gleiche Spielfreude, die gleiche gelöste, freundliche Harmonie. Beide Werke umschließen das Programm am Mittwoch, 25.03.2026, um 20.00 Uhr beim Kammerkonzert der Nordwestdeutschen Philharmonie. Mozart konnte mit seinem Quintett einen noch nie zuvor dagewesenen Farbenreichtum erzeugen. Ein einziger Ton, sei es von der Oboe mit Kilian Debus oder von der Klarinette mit Hye Jin Kim, verändert in diesem Mozart-Geniestreich alles. Ob Beethoven zwölf Jahre später einen ähnlichen harmonischen Zauber in der Besetzung zur Geltung bringen konnte? Hören Sie selbst!
Auch in der Mitte des Programms gilt Dialog als Prinzip. Wilhelm Friedrich Voigt lässt mit seinem Nocturne op. 75 für Klarinette, Horn und Klavier Ruhe, Wärme und poetische Stille entstehen. Mit leisen Stimmen spricht das Trio im Mondlicht miteinander – sanfte, träumerische Melodien werden durch als kammermusikalisches Nachtbild durch das Studio der Philharmonie schweben. Eine weitere Seltenheit findet sich im Divertimento B-Dur KV 439b von Mozart. Ursprünglich für drei der zu Mozarts Zeit trendigen Bassetthörner, also tiefe Klarinetten in F, geschrieben, entstanden bis heute unzählige Bearbeitungen für andere Blasinstrumente, so auch die Fassung für Oboe, Klarinette und Fagott. Der Charme des geselligen Divertimentos? Die lichte, schwerelose Stimmung. Stellen Sie sich Mozart vor, der mit seinem musikalischen Zeichenstift in wenigen Strichen für ein anstehendes Gartenfest komponiert – und die Essenz der Wiener Klassik „élégance en miniature“ auf das Papier bringt: kunstvoll, voller Witz und einer Fülle motivischer Schönheit.
Tickets sind im Vorverkauf über die Touristinformation Herford (05221-1891526), die Buchhandlung E. Otto (05221-53179), das Theaterbüro in der Stadtbibliothek (05221-500007), die Geschäftsstelle der Nordwestdeutschen Philharmonie (05221-98380), als Online-Ticket via Vibus oder direkt an der Abendkasse erhältlich.
Copyright: NWD, Mario Riemer, Privat, Philippe Stier
MI., 25.03.2026, 20:00 Uhr
Herford, Studio der Philharmonie
Wolfgang Amadeus Mozart Quintett Es-Dur KV 452
Friedrich Wilhelm Voigt Nocturne für Klarinette, Horn und Klavier Op. 75
Wolfgang Amadeus Mozart Divertimento B-Dur KV 439b für Oboe, Klarinette und Fagott
Ludwig van Beethoven Quintett Es-Dur op.16
Kilian Debus, Oboe
Hye Jin Kim, Klarinette
Ludger Taubitz, Fagott
Joannes Van Meensel, HornMichael Meyer, Klavier