Der Ring in Minden

Wer wagt, gewinnt!

Ein Buch dokumentiert das Mindener Ring-Projekt. Das Produktionsteam bietet damit hochspannende Hintergrundinformationen.

 

Von Ursula Koch
Minden (mt). Eine Oper in einem Theater, das kein Ensemble und nur wenige Mitarbeiter in Verwaltung und Technik hat, ist ein Wagnis. Der Mindener Wagner-Verband ging es zu seinem 90-jährigen Bestehen 2002 in Zusammenarbeit mit dem Stadttheater und der Nordwestdeutschen Philharmonie ein. Das Wagnis wurde ein Erfolg, Publikum und Kritiker lobten einhellig die intime Atmosphäre, die aus der Nähe zwischen Sängern und Zuschauern entsteht, und die musikalische Qualität. Die Tatsache, dass in Minden eine Oper zum größten Teil aus privaten Spenden finanziert wurde, ließ bundesweit aufhorchen. Das war 2002.

Beermann erzählt sehr lebendig und auch für musikalische Laien nachvollziehbar von der Suche nach dem „Mindener Klang“, dessen Geheimnis darin liegt, dass das Orchester auf der Bühne hinter den Sängern sitzt. Er nennt als großes Plus die Kontinuität, sowohl was die Sänger, als auch Orchestermusiker und im Produktionsteam angeht. Regisseur Gerd Heinz, heute 78, sah in seinem Engagement für den Ring eine „lebensverlängernde Maßnahme“. Der Theaterlehrer und erfahrene Musiktheater-Gestalter gibt ausführlich Auskunft über seine Interpretation des Wagner-Werks. Sein Ziel: Den Kern freilegen. Dafür hat sich Schlössmann, der Bühnenbilder in Bayreuth, Tokio und San Francisco gestaltete, auf das Abenteuer eingelassen, die bislang kleinste Bühne auszustatten und „Assoziationsräume“ für die Zuschauer zu schaffen.

Das sind viele gute Gründe, dieses Mindener Wunder in einem Buch festzuhalten. „Der Ring in Minden“ ist es betitelt. In Anlehnung an das Bühnenbild ziert ein roter Kreis den schwarzen Leineneinband. Der Titel und das Logo des Wagner-Verbandes darunter sind in Gold unterlegt. Das Buch bietet viel Stoff zur Erinnerung für alle, die Zuschauer beim „Ring“-Projekt in Minden waren, gibt aber mit einer Vielzahl von Fotos auch jenen einen Eindruck, die an den Aufführungen nicht teilnehmen konnten. Und es ist auch Würdigung für Dr. Jutta Hering-Winckler, der Vorsitzenden des Mindener Wagner-Verbandes und unermüdlichem Motor der Mindener Wagner-Produktionen.

Inzwischen sind von dem erfolgreichen Trio sieben weitere Opern auf die Bühne gestemmt worden. Zunächst im Abstand von drei bis vier Jahren: Tannhäuser, Lohengrin sowie Tristan und Isolde. 2015 haben sich die Partner dann den dicken Brocken vorgenommen: Richard Wagners Opern-Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“. Seit 2015 folgte jedes Jahr im September eine Premiere – Rheingold, Walküre, Siegfried und Götterdämmerung. 2019 soll die Krönung des Mammut-Projekts folgen: Zwei Aufführungen des kompletten Zyklus. Dass es tatsächlich dazu kommt, hatten zu Anfang nicht einmal alle Beteiligten für möglich gehalten.

Die Texte schrieben Dirigent Frank Beermann, Regisseur Gerd Heinz, Bühnenbildner Frank Philipp Schlössmann, Video-Künstler Matthias Lippert, Lichtdesigner und Bühnenmeister Michael Kohlhagen und die Journalistin und Theater-Autorin Doris Reckewell hat ein Interview mit Jutta Hering-Winckler geführt. Die Texte bieten eine Fülle an Einblicken und Einsichten. Dazu erzählen brillante Fotos von Christian Becker, Regie-Assistentin Cesca Carnieer, Produktionsleiter Friedrich Luchterhandt und Dorothee Rapp von den vier Opern, dokumentieren aber auch die Arbeit im Theater.

Den persönlichsten Eindruck erhält der Leser aus dem Interview mit Jutta Hering-Winckler. Sie erzählt zum Beispiel, wie alles anfing. Alle „Holländer“-Solisten wohnten damals in ihrem Haus, sie selbst und ihr Mann stellten fest, dass für sie selbst keine Bettdecken mehr übrig waren und gingen in die Kneipe, um sich in Ruhe zu unterhalten. Dieser persönliche Kontakt zwischen Wagner-Verband und künstlerischem Team ist über all die Jahre erhalten geblieben, verteilt sich mittlerweile aber auf mehr Mitglieder des Wagner-Verbandes. Der Antrieb hinter diesem enormen persönlichen Einsatz: Menschen, vor allem Jugendliche, für Wagner begeistern.

„Der Ring in Minden“, herausgegeben von der Nordwestdeutschen Philharmonie, JCC Bruns Verlag, 240 Seiten, 44,90 Euro, erhältlich im Buchhandel (ISBN 978-3-00-060989-3), bei Express-Ticketservice in Minden und natürlich in Herford in der Geschäftsstelle der Nordwestdeutschen Philharmonie.