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Ein Bericht von Christine Zeides (Q1), Freiherr-vom-Stein-Gymnasium Bünde, zur Schulvorstellung von „Tristan und Isolde“ am 12. September 2012 im Stadttheater Minden

Zwei Liebende in Not. Ein großer Komponist. Ein Orchester, ein Dirigent. Acht wunderbare Darsteller. Viereinhalb Stunden berauschende Musik. Und 70 Schüler und Schülerinnen des FvSG, die gebannt der musikalischen Vorführung lauschen.

Knapp 520 Schüler der umliegenden Schulen haben sich in dem kleinen Stadt-Theater Minden versammelt. Für viele ist es der erste Opernbesuch überhaupt. Sie tragen Kapuzenpullover statt Anzügen, Chucks statt edlen Lackschuhen. Viele von ihnen werden Wagners Biografie kaum kennen. Und doch stehen sie alle erwartungsvoll vor dem Theater und wollen sich endlich in das musikalische Abenteuer stürzen. Und das absolut freiwillig. Was für viele ihrer Mitschüler undenkbar scheint, ist für diese Jugendlichen eine Selbstverständlichkeit.

Die Nordwestdeutsche Philharmonie spielt nicht zum ersten Mal vor so jungem Publikum. Und sie wissen die Gäste zu schätzen. „Manche meiner Kollegen waren bestürzt, als ich erzählt habe, dass wir vor euch Jugendlichen ein Wagner-Stück aufführen wollen“, erklärt Dirigent Frank Beermann im Vorfeld. „Doch eure Anwesenheit zeigt, dass eure Generation oft als viel zu dumm und desinteressiert eingeschätzt wird- dabei wollt und könnt auch ihr klassische Musik genießen.“

Die Aufführung beginnt. Von der Orchesterbühne aus erklingt der aus dem Musikunterricht wohlbekannte Tristan-Akkord. Die ersten Sänger betreten die Bühne. Und schon sind die Schüler mitten im Geschehen. Verzaubert und gespannt folgen sie der Entwicklung, nehmen die musikalischen Höhepunkte wahr, erleben die in Musik gefasste Gefühlswelt des Richard Wagner, nehmen sie in sich auf. Nur wenige Meter von ihren Plätzen entfernt wird das abstrakte Stück aus dem Unterricht plötzlich real und erlebbar. Ein wunderbarer Moment.

In den Pausen sind die meisten Schüler überwältigt von der Stimmgewalt der Sänger und es gibt viel zu diskutieren. Man macht Witze, lacht, genießt die Atmosphäre. Keiner ärgert sich, keiner beschwert sich, keiner verdreht die müden Augen, wie man es aus so mancher Musikstunde in der Schule zu kennen meint.  Alle Schüler haben sich auf das Abenteuer Wagner eingelassen – und sind mit guten, neuen Erfahrungen aus diesem besonderen Erlebnis gegangen.

Der Vorhang fällt. Und das Publikum beginnt zu klatschen. Es wird gepfiffen und gejubelt, und Darsteller und Musiker müssen noch dreimal auf die Bühne gehen, um dort von den Standing-Ovations der Schüler und Lehrer für die wunderbare Leistung gelobt zu werden.

Schüler als Kulturbanausen? An diesem Nachmittag war nichts von der sonst bekannten ablehnenden Haltung zu spüren. Man darf nicht pauschalisieren, denn es gibt auch Jugendliche, die sich für so etwas interessieren – und das völlig selbstverständlich. „Für mich war die Oper sehr unterhaltsam“, erklärt Marc-Phillip Längert aus der Q1, der auch zuvor schon Opernerfahrung hatte. „Die Pausen waren aber nötig, weil die Musik manchmal etwas anstrengend war. Ich bin aber sehr zufrieden, dieses Stück gesehen zu haben – einfach eine tolle Erfahrung.“ Und Roxana Heidemann aus der Q1 kann nur zustimmen. „Es war ein sehr schönes Erlebnis. Mich hat beeindruckt, wie lange die Sänger ohne Pausen singen konnten, ohne dabei ihre Stimme zu verlieren. Außerdem haben alle Darsteller sehr gut geschauspielert, besonders im dritten Akt – das hat mich wirklich fasziniert.“