Ihre offizielle Biographie beginnt mit den Erfolgen bei internationalen Wettbewerben. Doch wie sind Sie eigentlich zur Musik gekommen? Stammen Sie aus einer Musikerfamilie?

Eugene Tzigane: Ich stamme nicht aus einer Musikerfamilie, aber aus einer Familie von Musikliebhabern. Aufgewachsen bin ich mit Filmmusik, denn mein Vater ist ein großer Filmfan. Mit meinen Eltern bin ich mehrmals zwischen Japan und Amerika umgezogen und habe oft die Schule gewechselt. Bei einem dieser Schulwechsel musste ich ein künstlerisches Fach belegen. Damals war ich zwölf und habe ich mich für das Saxophon entschieden – und wie sich herausstellte, hatte ich dafür eine natürliche Begabung. Ich konnte mir sogar durchaus vorstellen, Jazzmusiker zu werden. Zwei Jahre später habe ich dann auch noch das Fagottspiel gelernt und bin dadurch zur klassischen Musik gekommen.

Wann reifte der Entschluss, Dirigent werden zu wollen? Gab es ein Schlüsselerlebnis?

Ja, das gab es tatsächlich. Etwa mit 18 Jahren habe ich einen Film über Carlos Kleiber gesehen. In diesem Moment änderte sich für mich alles. Ich war fasziniert von Kleibers Kraft und Energie, und obwohl ich damals noch nicht alle Feinheiten heraushörte, wusste ich doch instinktiv: Das ist große Kunst! Von da an hatte ich den Wunsch, ebenfalls eine solche Vitalität vermitteln zu können. Kleiber gehört nach wie vor zu meinen Lieblingsdirigenten, aber ich schätze auch Herbert von Karajan und Otto Klemperer sehr. Und Leonard Bernstein – aber nur dann, wenn das bombastisch Überladene bei ihm nicht die Kontrolle übernimmt.

Wie war Ihr erster Eindruck von der Nordwestdeutschen Philharmonie?

Auf der persönlichen Ebene bin ich von dem Orchester sehr warm, freundlich und offen aufgenommen worden. Aus künstlerischer Sicht bin ich begeistert von der hohen Klangkultur der NWD. Das Orchester hat so viel Verlangen, großartige Konzerte zu geben, die Musikerinnen und Musiker hungern förmlich danach, ihr Bestes zu geben. Ich bin wirklich in einer wunderbaren Situation: Andris Nelsons war und ist ein fantastischer Dirigent, der die Nordwestdeutsche Philharmonie ein großes Stück weiter gebracht hat – und davon profitiere ich. Obwohl mein Stil sicher ein ganz anderer ist, möchte ich das Orchester noch weiter vorwärts bringen und ihm einen noch unverwechselbareren Klang geben. Ehrlich gesagt: Ich könnte nicht glücklicher sein!

Welches Repertoire möchten Sie mit der NWD erarbeiten? Und was sind Ihre Lieblingskomponisten?

Ich mag vor allem die deutschen und österreichischen Komponisten wie Mahler, Brahms, Strauss, Bruckner und Wagner. Aber auch Haydn, Mozart und Schubert. Beim Klassiksommer Hamm spielen wir Debussy und Saint Saëns, die ich ebenfalls sehr schätze. Mir ist eine Vielfalt wichtig – für das Orchester, aber auch für das Publikum. Und das wird sich auch in dem Repertoire spiegeln. Es wird viele deutsche und österreichische Komponisten enthalten, aber ich möchte mit der NWD  auch ein neues Repertoire entdecken und erarbeiten. In gewisser Weise ist ein Orchester ein Museum und eine Galerie, denn es zeigt alte und neue Kunst.

Was ist für Sie ein perfektes Konzert?

Für mich ist ein Konzert perfekt, wenn es die Menschen erreicht – und dazu muss es nicht technisch perfekt sein. Im digitalen Zeitalter neigt man dazu, den direkten menschlichen Kontakt zu verlieren. Musik kann wie alle anderen Kulturgattungen dazu beitragen, dass die Menschen miteinander in Verbindung bleiben.

Sie werden künftig zwischen Ihrem Wohnsitz New York und Herford pendeln. Wie können Sie am besten entspannen?

Ich sehe mir gern Stand-up-Comedy und politische Satiren an. Außerdem höre ich natürlich viel Musik – und zwar nicht nur klassische. Ich mag gute Popmusik wie etwa von Sting und die Musik von Krishna Das, einem indischen Künstler. Und mit meiner Frau tanze ich gern Tango.



 

 
 
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