»Wir wollen ein kulturell vitales Land, das Kraft aus seiner Vielfalt schöpft und in dem Kunst und Kultur einen zentralen Platz einnehmen.« So steht es im Koalitionsvertrag von SPD und Grünen. Welche Schwerpunkte werden Sie im Bereich der Kulturförderung setzen?
Ute Schäfer: Ein zentrales Anliegen ist für uns die Förderung der kulturellen Bildung. Wir müssen stärker als bisher die Tür zu Kunst und Kultur für Kinder und Jugendliche so früh wie möglich öffnen. Konkret planen wir einen Kulturrucksack für Kinder und Jugendliche, der ihnen unter anderem etwa freien Zugang zu Theatern, Museen und anderen Kulturinstitutionen des Landes gewährt, von der Grundschule bis in die weiterführenden Schulen. Die Förderung der Spitzenkultur, aber auch die Sicherung unserer reichen Kulturlandschaft in Zeiten knapper kommunaler Kassen sind weitere Schwerpunkte, denen wir uns intensiv widmen werden.Mit Programmen wie »Jedem Kind ein Instrument« und »Kultur und Schule« fördert die NRW-Landesregierung die kulturelle Breitenarbeit. Welche Bedeutung messen Sie auf der anderen Seite der Spitzenkultur zu?
Beides gehört zusammen. Wir brauchen Spitzenkunst und -kultur für ein anspruchsvolles und erfahrenes Kulturpublikum. Und wir brauchen die Impulse, die Künstler in allen Sparten geben. Ein Land wird nicht zuletzt an seiner kulturellen Strahlkraft gemessen. Wie wird das Land künftig die drei NRW-Landesorchester und hierbei insbesondere die Nordwestdeutsche Philharmonie fördern?
Die Landesregierung steht zu ihrer Verantwortung für die drei Landesorchester und wird für stabile finanzielle Unterstützung sorgen. Wir gehen davon aus, dass auch die anderen Beteiligten wissen, was sie an ihren Orchestern haben und entsprechende Vorsorge für den Erhalt treffen.Wie hoch schätzen Sie die Bedeutung der NWD für die Region Ostwestfalen-Lippe ein?
Die NWD ist eines von drei professionellen Orchestern in dieser großen und schönen Region. Sie sorgt insbesondere für regelmäßige Konzerte in ganz OWL, aber auch darüber hinaus. Niemand muss weit fahren, um Musik auf bestem Niveau zu hören. Die Region sollte stolz darauf sein, ein attraktives Musikprogramm vor der Haustür zu haben. Ganz besonders wichtig finde ich die Kinder- und Jugendprogramme, mit denen junges Publikum für die Musik und für die Kultur überhaupt begeistert wird.
Die Nordwestdeutsche Philharmonie ist von den kommunalen Spardebatten nicht verschont geblieben. Wie kann das Land die Kommunen unterstützen?
Die Landesregierung will den Kommunen helfen und hilft ihnen auch bereits. Die jetzige Kulturkrise resultiert aus der Krise der Kommunalfinanzen. Deshalb wollen wir die Städte und Gemeinden nicht nur durch unseren millionenschweren »Stärkungspakt Stadtfinanzen«, sondern zusätzlich auch an vielen anderen Stellen entlasten. Ein Beispiel dafür ist die geplante Entlastung der Kommunen bei der Finanzierung des Ausbaus von Kita-Plätzen für unter Dreijährige. Dafür haben wir mehr als eine halbe Milliarde Euro in den Nachtragshaushalt eingestellt. Damit erhalten die Städte und Gemeinden finanzielle Spielräume, die sie für die Aufgaben, die in kommunaler Verantwortung liegen, dringend brauchen. Ich kann den Kommunen nur empfehlen, die finanziellen Spielräume, die von der Landesregierung durch Entlastungen geschaffen werden, vor allem auch für die Kulturförderung zu nutzen.
Mit ihren Konzerten für Kinder und Jugendliche erreicht die Nordwestdeutsche Philharmonie jedes Jahr rund 15.000 junge Zuhörer. Was halten Sie vom Engagement des Orchesters für den Nachwuchs?
Es ist gut, dass die Vermittlungsarbeit selbstverständlicher Teil der Arbeit des Orchesters ist. Nur durch frühzeitige Einbindung eines jungen Publikums können der Fortbestand unserer Kulturinstitutionen und der Erhalt einer lebendigen und sich erneuernden Kulturlandschaft gesichert werden. NRW will das Land kultureller Bildung werden, und dabei helfen die Institutionen durch ihre auf junges Publikum ausgerichtete besondere Programmatik mit.
Sie kommen aus der Region, in der die NWD zu Hause ist. Hatten Sie bereits Gelegenheit, das Orchester einmal »live« zu erleben?
Ja, natürlich kenne ich das Orchester und habe mich gefreut, es beim Adventskonzert der Landesregierung einmal wieder zu hören!
Welche sind Ihre persönlichen musikalischen Vorlieben?
Sie sind sehr breit gestreut, reichen von Klassik über Rockmusik bis zu Jazz.
